GOOGLE I/O

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Die Zeiten aufsehenerregender Hardware-Experimente scheinen vorbei zu sein: Anstatt mittelfristig zum Scheitern verdammte Geräte wie die Google Glass zu zeigen, konzentriert sich Google bei der diesjährigen I/O auf das, wofür die Konferenz eigentlich steht – das Entwickeln.
Eine Analyse von Tobias Költzsch und Sebastian Grüner
In der Keynote der diesjährigen Google I/O kamen Entwickler auf ihre Kosten: Insbesondere die offizielle Einbindung der Programmiersprache Kotlin in Android sorgte für Begeisterung. Zudem verfolgt Google konsequent das Thema maschinelles Lernen – immer mehr Apps und Bereiche des Unternehmens arbeiten mit künstlicher Intelligenz.

Verglichen mit der Situation vor einigen Jahren konzentriert sich Google bei seiner Entwicklerkonferenz wieder mehr auf die Android-Programmierer, statt auf schlagzeilenträchtige Themen zu setzen. Die Fokussierung auf die Google Glass während der Google I/O 2012 war zwar auch in Nicht-Fachmedien ein großes Thema, für den Großteil der Android-Entwickler war das Projekt aber eigentlich uninteressant.

Selbst im vergangenen Jahr, als Google das Thema maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz erstmals prominent platzierte, gab es weniger aufsehenerregende Ankündigungen, was die Android-Programmierung betrifft – mit den Instant Apps als Ausnahme. Bei der diesjährigen Google I/O hingegen fällt auf, dass das Unternehmen nicht auf Schlagzeilen setzt, sondern auf echte Neuerungen für Entwickler.

Kotlin erleichtert App-Programmierung

Allen voran ist hier die Einbindung der Programmiersprache Kotlin in Android zu nennen. Kotlin ist künftig neben Java eine gleichberechtigte Sprache, in der Android-Apps programmiert werden können. Die Erklärungen Googles zur Einführung von Kotlin belegen, dass das Unternehmen von der Sprache überzeugt ist.

Das zeigt auch das Vorhaben, mit Jetbrains, einem der Hauptsponsoren von Kotlin, zusammenzuarbeiten. Beide Unternehmen wollen die Programmiersprache in einer gemeinsamen Organisation verwalten. Für Entwickler ist dies sicherlich von Vorteil, da die Ressourcen so hoffentlich langfristig zuverlässig verwaltet werden.

Für Entwickler bringt Kotlin vor allem eine wesentlich übersichtlichere Syntax als in Java. Dank Jetbrains ist außerdem der IDE-Support für Kotlin hervorragend, wodurch das Programmieren vereinfacht wird. Diese Unterstützung wandert von Jetbrains‘ Intellij Idea in Android Studio und damit in die Standard-IDE zur Android-App-Entwicklung.

Intelligentes Android für alle

Neben Kotlin hat Google zudem die zweite Entwicklervorschau von Android O vorgestellt, die einige der angekündigten Neuerungen der kommenden Android-Version beinhaltet. Programmierer können mit der neuen Vorschau unter anderem die Bild-in-Bild-Funktion, die Benachrichtigungsmarkierungen und weitere Funktionen ausprobieren und ihre Apps entsprechend anpassen.

Interessant für Entwickler sind auch Googles Vorstöße im Bereich der künstlichen Intelligenz: Google vertieft das Thema in seinen eigenen Apps wie Google Fotos, macht damit die Smartphone-Kamera klüger, den Google Assistant angenehmer zu bedienen und greift sogar Apples Siri auf dem iPhone an.

Die Techniken, die all das ermöglichen, behält Google aber nicht komplett für sich, sondern veröffentlicht mit Tensorflow Lite zum Beispiel auch eine für Mobilgeräte optimierte Version seiner Machine-Learning-Bibliothek. Diese bekommt noch eine API für neuronale Netze und möglicherweise dedizierte Chips in Smartphones.

Damit lassen sich künftig Machine-Learning-Modelle wohl leicht auf dem Smartphone umsetzen, was auch externen Entwicklern in die Lage versetzt, ähnlich smarte Apps wie Google zu entwickeln. Kombiniert mit den Cloud TPU von Google, die das Training beim maschinellen Lernen massiv beschleunigen, können die Modelle zwischen Smartphones und Cloud außerdem synchronisiert und aktualisiert werden. Für die Android-Tastatur Gboard hat Google diese Vorgehensweise bereits beschrieben.

Die Google I/O 2017 setzt Googles Bemühungen im Bereich maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz nicht nur zum Nutzen der Verwender fort, sondern bezieht in diesem Jahr auch die Entwickler viel stärker in dieses Feld ein, als es das Unternehmen bei der Google I/O 2016 getan hat.

Damit ist Googles Entwicklermesse endgültig wieder bei den Entwicklern angekommen. Die Zeiten der Hardware-Präsentationen scheinen vorbei zu sein, stattdessen geht es wieder um das Programmieren selbst. Das mag für Außenstehende weniger spannend sein – für Programmierer ist dieser Refokus hingegen gut. Davon profitieren am Ende auch alle Android-Nutzer.

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